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February 27 Von Gartenzwergen, Vodka und Stromausfällen (Flo)Nachdem wir uns hier schon super eingelebt haben, durften wir auch schon einige Vorlesungen an der VGTU besuchen. Ich habe die Kurse so erwischt, dass ich nur am Montag und Dienstag Kurse habe. Ist ja nicht so, dass ich was dagegen hätte, aber auf Dauer wird das richtig langweilig. Wenigstens komme ich wieder dazu, etwas Sport zu treiben: Montags gehts zu Physical Education, und da wird im Winter nichts anderes gemacht als Langlaufen. Naja, nicht gerade der Hammersport, und das sowjetische Equipment vereinfacht diese Leibesübung auch nicht wirklich, vor allem dann, wenn man sich die Skier aufgrund der nicht vorhandenen Litauischkenntnisse verkehrt herum anschnallt. Nächste Woche gehts dann nochmal als Zuschauer zum Basketball. Diesmal mit etwas mehr Brisanz, es geht ums Halbfinale im ULEB-Cup (im Fußball wärs der UEFA-Cup). Und da geht es gegen Straßburg, und aus genau der Stadt kommt unser liebgewonnener french guy Ludovic. Er wird wohl ganz allein einen Straßburg-Fanblock bilden, und wir sind wieder voll dabei! Diesmal ist hoffentlich auch Le Bob mit von der Partie. Bob ist ein aus einem französischen Eigenheim geklauter Gartenzwerg, der seinem Besitzer gelegentlich Bilder von seinem Aufenthaltsort zukommen lässt. Ja, sowas gibts eben nicht nur im Fernsehen! Sollte jemandem von euch also so ein kleiner Wicht abgehen, schaut mal ins Fotoalbum! Damit einem während den vielen freien Tagen auch sicher nicht langweilig wird, wird doch hin und wieder der eine oder andere Vodka erworben, und natürlich müssen alle hier offerierten Biersorten getestet werden! So kommt es zu einigen Homeparties, oder man geht dem nächtlichen Treiben im Prospekto Pub, dem Megatreffpunkt der vilnischen Erasmus-Studs, nach. Zu solchen Ausflügen kann man auch durch die gelegentlichen Stromausfälle getrieben werden, die dann das gesamte Studentenviertel lahmlegen. Und bevor man sich zu Hause zu Tode friert, ersäuft man sich doch lieber im wärmenden Vodka! Der Vodka an sich schmeckt ja nicht nur in Litauen oder Polen ausgezeichnet, nein, auch die Russen sind die Meister in der Herstellung des feurigen Kartoffelwassers, das einem am nächsten Tag sicher keinen Kater beschert. Deshalb haben die Kerstin, der Artur, der Pekka und ich beschlossen, im März einen Trip nach Moskau zu unternehmen. Leider hat sich von unseren SKVMlern ja schlussendlich niemand dahingetraut, das hätt was zum Feiern gegeben. Von dieser Reise werden wir noch berichten, bis dahin feiern wir eben mit den anderen Erasmus-Studs! An dieser Stelle einen Gruß an unseren 04er-Kollegen, da Buschi! February 17 Live aus dem litauischen Lazarett (Kerstin)Schönen guten Samstag-Abend! Nachdem der Flo und ich ja bekenndende Herdentiere sind, haben wir uns gedacht, was einige unserer Studienkollegen vormachen, dass müssen wir natürlich gleich nachmachen...also liegen wir beide gerade mit einer echt fiesen Erkältung/Grippe im Bettchen. Jaja, aber gottseidank sind wir hier in Litauen so mobil, dass wir mit unseren Notebooks, mitsamt Internetverbindung das Wochenende im Bett verbringen können (da auch gleich liebe Grüße an den Fritzie auf die grüne Insel). Hmmm mal überlegen, was ich euch so in ein paar Worten erzählen könnt: Wetter is zur Zeit schön, aber nach wie vor Schnee überall und nachdem es für Vilnius nicht so wichtig ist, ob es einen Studenten mehr oder weniger an der Uni gibt, werden die Wege zwischen Wohnheim und Uni weder geräumt noch gestreut. Fazit: von unserem Fenster aus kann man täglich leute auf die Schnauze fallen sehen (is echt lustig, solang es einen nicht selber erwischt oder gach was schlimmes passiert) Ansonsten ist die Uni hier ziemlich stressfrei. Dienstag ist noch der anstrengendste Tag, weil da überschneiden sich für uns gleich 3 Vorlesungen...aber alles kein Problem...können trotzdem alle 3 nehmen und sind halt mal da und mal dort anwesend..na, mir solls recht sein ;) Organisatorisch muss die VGTU (Vilnius Gediminas Technical University) aber noch einiges dazulernen. Gibt es hier doch nur einige Leute die wirklich gut Englisch sprechen. Formulare sind grundsätzlich in Litauisch auszufüllen (echt international) und ein englisches Notice-Board für eben diverse Notizen gibt es nicht. Also wenn der Lehrer krank ist oder die Vorlesung in einen anderen Raum verlegt worden ist: Pech für Erasmus-Studenten...die warten meistens auf erkrankte Lehrer oder stehen eben vorm falschen Raum und kommen nach ewigen hin- und herrennen dann viel zu spät zum Unterricht. Aber auch das is wurscht....zumindestens den Lehrern, die ich hab. Gestern war Nationalfeiertag und man stell sich doch vor: Die Geschäfte haben trotzdem geöffnet!!! Da könnt sich unser liebes Heimatland doch glatt eine Scheibe abschneiden. Und wenn ein Feiertag auf einen Sonntag fällt, dann ist halt unter der Woche mal ein Tag frei...es sollen doch schließlich alle was davon haben..na mir is natürlich recht :) Wir, das sind Rita und Monika (Litauen), Artur (Polen), Baptiste (Frankreich), Flo und ich, waren gestern abend bei einem Konzert am Kathedralenplatz in der Altstadt. War echt nett...lauter litauische Künstler, die auch alle brav auf litauisch singen und gratis war das ganze auch noch. Und ein riesen super megatolles Feuerwerk hats dann auch noch gegeben mit der musikalischen Untermalung von Lordis "Hardrock Halleluja". Na, das war vielleicht mal cool!!! Essen in Litauen ist sehr lecker...allerding auch recht - nennen wir es mal - gehaltvoll...also, verhungern werden wir nicht und abmagern wohl auch nicht...vor allem, weil alles hier doch echt billig ist. Zum Bier knabbert man hier gern gebratenes Schwarzbrot mit Knoblauch und Käse drauf...hmmmm echt gut...ansonsten gibts in Vilnius neben dem traditionellen Essen auch eine Pizza-Ketten, die hier wie aus dem Boden schießen. Auch Mc Donalds ist natürlich hier vertreten. Allerdings wird der Mäci hier als Treffpunkt für Jugendliche, die meist ohne etwas zu konsumieren rumhängen und Kartenspielen oder ähnliches. Tja, Litauen ist halt anders. Übrigens waren wir vorgestern am Abend in einem Lokal namens Bavaria...ja, ihr jetzt wohl sicher richtig vermutet, gibts dort bayrische Kost (natürlich mit litauischem Einschlag). Hier stehen so Sachen wie Stelze, diverse Würstelgerichte, Knödel und ähnliches auf der Speisekarte. Die Bedienungen rennen im Dirndl und Lederhose herum und im Hintergrund dudelt österreichische Musik. Zuerst wars DJ Ötzi der uns musikalisch genervt hat aber dann sind richtig alte Klassiker gekommen: Rote Lippen soll man küssen, Sugar sugar Baby, Zwei kleine Italiener (Besonders liebe grüße an dieser Stelle an die Bici) und ähnliches gespielt...war ganz witzig das mal zu erleben. Fortgehtechnisch gehen wir es eher langsam an. Meistens hängen wir am abend in unserer "WG" rum und kochen was oder machen sonst irgendeinen Blödsinn. Und wenn das zu fad wird, dann fahren wir halt in die Stadt und gehen in eines der unzähligen Lokale, wo 0.5 Liter Bier ca. 1,5 EUR kosten und auch alles andre nicht wirklich die Geldtasche strapaziert. So, jetzt hab ich auch wirklich genug erzählt... Wünsch euch allen da draußen ein schönes Wochenende!!! labas vakaras ir iki! February 13 Der Tag, an dem Busfahren zum Abenteuer wurde (Kerstin)Jaja, ihr Lieben, da bin ich mal wieder...und ich will euch auch nicht länger langweilen, und komm gleich zur näheren Ausführung dieser Wahnsinns-Überschift: Alles begann damit, dass wir uns ein Basketballspiel von Lietuvos Rytas anschaun wollten, gilt hier Basketball doch als Volkssport Nummer 1! Die Karten waren bereits im Vorverkauf erworben, der Stundenplan so gedreht, dass wir pünktlich losstarten konnten und die Vorfreude war grenzenlos. Also rein in den Bus mit der Nr. 45, der uns direkt bis zur Siemens-Arena (jaja, immer diese bekannten Sponsoren) bringen sollte. Die Betonung in diesem Satz liegt eindeutig auf "SOLLTE". Naja, schließlich sind wir aber nicht die einzigen sportbegeisterten Leutchen hier in Vilnius... Also standen an den Haltestellen nochmals ungefähr 50 millionen Menschen (ok, das ist wohl etwas übertrieben) was zur Folge hatte, dass wir nach dem 2. Stopp schon völlig überfüllt waren. Aber unsere litauischen Freunde lassen sich von so was doch nicht abschrecken...nein nein, da gehen ja noch mindestens 4 Leute rein, auch wenn von denen, die bereits drin sind, dann wohl keiner mehr Luft bekommt oder zumindest die Hälfte aller Platzangst bekommen werden. Nur leider war unser Bus da anderer Meinung. Mit Mühe und Not konnten die Türen zugemacht werden...Puhhh..nochmal Glück gehabt...aber HALT! Wir haben noch einige Haltestellen vor uns...und dort wie zu erwarten das selbe Szenario...keiner steigt aus (wie denn auch,dafür ist aber wirklich kein Platz!!!) aber gaaaanz viele wollen rein. Und da hat unser Bus (-fahrer) beschlossen: Rien ne va plus! (Für unsere Nicht-Franzosen: Nix aber auch gaaaaaar nix geht mehr). Ergo: alle raus aus dem Bus, weil angeblich die Wasserpumpe oder so hinüber is...na toll...aber noch viel toller: dann is der Bus einfach weitergefahren (i glaub, der wollt einfach nur die Leute loswerden und is dann sicher selber zum Spiel gefahren). Wir also wartend auf den nächsten Bus, noch am diskutieren ob wie ein neues Ticket lösen sollen, im nächsten Bus. Aber wir haben dann beschlossen: Sicher net, wenn der Bus hinüber is, können wir doch nix dafür. Nächster Bus kommt: Artur (unser polnischer Nachbar), Flo und ich rein. Tja, und wies der Zufall so will: Kaum drinnen: Fahrscheinkontrolle!! Supiiiii, weil Kontroll-Frau spricht net Englisch (is ja net so, dass des a Weltsprache wär). Gottseidank hat dann ein netter Jüngling ausgeholfen und freundlich übersetzt. Durften also mit diesem Ticket weiterfahren. So und wer jetzt glaubt, des war schon Aufregung genug, den werd ich jetzt eines Bessern belehren. Grundsätzlich sollte man ja annehmen, Busfahrer kennen ihre Route...in Litauen ist das wohl etwas anders. Ist doch dieser 2. Bus dann glatt falsch abgebogen!!! Großer Aufstand im Bus, weil ich hier waren wir nicht die einzigen Basketball-Fans. Also: Alle raus aus dem Bus...auf zur nächsten Haltestelle. Nächster 45 kommt, alle wollen rein...tja, sind ja schließlich auch nur mehr 5 Minuten bis zum Spielbeginn...und wir reden hier auch nicht von irgendeinem spiel, nein, es is das wichtige Rückspiel gegen Udine (liebe Grüße an alle "Italiener") im Europacup. Ergebnis der hemmungslosen Drängerei: Artur und ich im Bus, nach Luft ringend, Flo mit sehr viel Raum zum Atmen, weil draußen. Wir haben dann entschieden, diesen restlos überfüllten Bus beim nächsten Stopp zu verlassen und auf den Bus zu warten, in dem der Flo ist. Und wen wunderts...fast hätt das auch nicht geklappt, weil eine alte litauische Dame gemeint hat, sie muss unbedingt so vor dem Ausstieg stehen, dass ich nimmer rauskomm. Auch hier wieder danke an die Litauische Jugend, die der englischen Sprache mächtig ist, und mir geholfen hat, zu "fliehen". In der Zwischenzeit war das Spiel natürlich schon voll im Gang, aber schlussendlich haben wirs doch noch IN die Siemens-Arena geschafft....völlig fertig und entnervt und fast schon wieder lachend, weil wie kanns den sowas geben!! Das Spiel war cool (da wird aber der Flo extra nochmal drüber schreiben). Soviel zum Thema Anreise...aber auch die Rückfahrt war nicht weniger spannend....ist doch der Busfahrer tatsächlich mitsamt dem vollen Bus zur Tankstelle gefahren und hat mal so nebenbei 140 Liter getankt.... Wo gibts denn sowas??? Na, in Litauen... PS: Hoffentlich war das das Pech für die nächsten 5 Monate...werden wohl noch öfter Busfahren müssen PPS: Uns gehts trotzdem supigut hier. Bis bald February 09 Zu Fuß quer durch Vilnius ODER Wo gibts denn hier die Poster?? (Kerstin)Jaja, man glaubt ja gar net, was einem in einem fremden Land alles passieren kann. Man möchte ja nicht glauben, wie ähnlich und doch verschieden Österreich und Litauen sind. Im Hyper-Markt bekommt man so gut wie alles von 8 bis 24 Uhr, doch gleichzeitig sind - für uns noch so normale Dinge - hier einfach nicht existent... Angefangen hats damit, dass unsere neue "Bude" ja net grad die schönste und vor allem auch neueste Tapete trägt (i glaub des is so späte russische Zeitrechnung). Wer unsere Fotos gesehn hat, weiss, wovon ich spreche. Tja, und um es etwas gemütlich zu machen, haben wir uns auf die Suche nach einem oder besser gesagt einigen Postern (wir sind zwar in Litauen, aber auch hier besteht ein Zimmer nicht nur aus einer Wand!) zur Verschönerung unseres ca. 10 m² großen Schlaf-, Wohn-, Ess- und Arbeitszimmers. Und hier kommen wir auch schon zum nicht machbaren Teil der Erzählung: Wir waren bis jetzt in x Geschäften, aber so etwas wie ein Poster ist hier in Vilnius weit und breit nicht zu sehen. Unglaublich!!! Was pappen sich die jungen Leute denn dann hier an die Wand??? Im Supermarkt (auch wenns dort sonst alles gibt) sind Poster nicht zu finden. Büchergeschäfte haben von so was wohl auch noch nie was gehört und sowas wie Libro existiert hier leider in keinster Form. So müssen jetzt unser großer Vilnius-Stadtplan und unser Vilnius-Busplan herhalten und unglaublich aber wahr - unser Stundenplan dient auch als Verschönerungsartikel an der Wand (in der Not.....). Die zweite Fragestellung, die uns seit Ankunft in unserem äußerst modernen und komfortablen Zimmer ständig begleitete, war: Wie können wir einen zweiten Internetanschluss bekommen??? Nachdem wir heute von Pontius zu Pilatus gerannt sind, um eine 2. PCMCIA-Karte aufzutreiben (keine sorge, meine lieben PC-nicht-Wisser, ich hab auch net so a genaue Ahnung, warum des so heißt und was des genau ist bzw. kann). ABER: So etwas gibts hier nicht...hier ist alles nur mehr auf wireless fixiert und wir haben aber leider ein Kabel im Zimmer. Na gut..wir haben dann doch eine Lösung gefunden und uns einen Router um umgerechnet 30 Euros geleistet und gottseidank hats jetzt auch geklappt und die endlose Steiterei, wer wie lang und warum überhaupt das Internet braucht, ist jetzt vorbei. Doch wer jetzt glaubt, wir haben sonst nix zu tun, der irrt sich: Nein,nein, nebenbei besuchen wir auch schon unsere ersten Vorlesungen. Fast alle sind auf mehr oder minder gutem Englisch. Nur am Mittwoch war ich etwas überfordert, als ich mir die Politologie-Vorlesung eine Stunde lang auf litauisch geben musste (eh schon wissen, ich nur immer verstehen Bahnhof). Aber auch das ist geklärt. Die Vorlesung fällt für uns aus, und wir können eine Hausarbeit schreiben und so unsere Note bekommen. Den größten Teil unseres studentischen Daseins haben wir diese Woche allerdings damit verbracht, das 7-stöckige Uni-Gebäude rauf und runter zu rennen, weil entweder die Räume für den Unterricht falsch angeschrieben waren oder kein Professor anzutreffen war. Und am Donnerstag wars dann endlich auch so weit: ich hatte meine Vorlesung in der absolut baufälligen aus früh-sowjetischer-Zeit stammenden Architektur-Fakultät. Wow, des is echt der Hammer...von außen HUI von innen PFUI!!! Werd euch bei Gelegenheit mal ein paar Bilder raufladen, damit ich wisst wovon ich red (eines ist eh schon im letzten Foto-Album). Die anderen Erasmus-Kollegen haben wir auch schon teilweise kennengelernt. Auch wir sind ein bunt gemischter Haufen aus Österreichern, Deutschen, Franzosen, Belgiern, Polen, Türken, Finnen, Italienern, Spanieren und noch ein paar Ländern, an die ich mich grad net erinnern kann. Die erste Bekanntschaft mit litauischem Alkohol hats auch schon gegeben, bedarf jetzt allerdings keiner näheren Schilderung Na gut, ihr Lieben, nachdem mir jetzt schon die Finger glühen vor lauter schnell tippseln, werd ich mich mal bei euch verabschieden. Hoff es geht euch allen gut. Würd mi freun, mal von euch allen zu hören. Grüße in den Norden, den Süden, den Westen, den Osten und natürlich auch nach Hause to good old Austria. viso gero ir iki!!! PS: Auch hier is es in der Zwischenzeit echt kalt geworden. In der Nacht hats sicher so um die -20 Grad und unter Tags haben wir seit wir hier sind erst einmal etwas Sonne gesehn. Ansonsten schneits immer oder ist zumindest bewölkt und auch echt windig!!! February 07 Vilnius ist schizophren (Flo)Uns gefällt es hier. Auch wenn hier nicht alles eitel wonne ist. Ich habe noch keine Stadt gesehen, die so viele Gegensätze vereint wie Vilnius: Vom Mittelalter bis heute sind alle Baustile irgendwo vertreten, man kann jedoch kein einziges Viertel einer gewissen Epoche zuordnen. An vielen Orten wird neu gebaut oder renoviert. Oft sieht man Zubauten an bereits verfallenen Gebäuden. Die Gelder der EU werden hier nicht immer sinnvoll verwendet. Im Kino gibt es z.B. eine hochmoderne Scannerschranke für die Eintrittskarte, die zudem noch von einem Angestellten bewacht wird. Unnötiger Schnickschnack, es würde doch reichen, sich von dem Typen einfach nur die Karte einreißen zu lassen... Die Suburbs von Vilnius bestehen ausschließlich aus Satellitenstädten, gebaut aus einem seltsam gelblichen Backstein. Relikte der sowjetischen Regentschaft, genauso wie die verhasste russische Sprache, derer hier so gut wie alle Menschen über 30 mächtig sind. Hier tut sich der zweite Abgrund auf. Vilnius ist gespalten zwischen den armen, von den Sowjets zermürbten Rentnern und den dynamischen, mit mehr Wohlstand aufwachsenden, jungen Bewohnern. Die alten Leute zeigen steinerne, verbitterte Minen, im Bus wird man von ihnen zur Seite gestoßen oder angepöbelt. Die Jugendlichen lachen viel und gehen ins Kino, in eine Cili-Pizzeria oder in die Akropolis - das größte Einkaufszentrum hier in Vilnius - zum Shoppen. Mode ist für die Jungen hier ein wichtiges Statussymbol. Wer nicht nach dem neuesten Trend gekleidet ist, wird sofort ausgegrenzt. Es gibt auch viele Neureiche mit schicken Klamotten und teuren Autos. Die Alten können mit dieser Entwicklung und dem schnellen Wirtschaftswachstum nicht Schritt halten, man hat aber auch das Gefühl, sie vergönnen ihrer nachfolgenden Generation ihren neuen Wohlstand nicht. Litauen ist trotz der enormen Fortschritte seit der Unabhängigkeit und dem EU-Beitritt immer noch ein armes Land. Vor allem außerhalb der Städte ist dies offensichtlich. Für uns ein Vorteil, wir kommen hier so was von billig weg. Für eine Busfahrt zahlen wir 30 Cent, sobald wir unsere Student-Card bekommen, können wir uns ein Monatsticket um 12 Litas (3,5 Euro) kaufen. In Vilnius gibt es für den Nahverkehr ausschließlich Busse. Eine Straßenbahn soll frühestens 2011 kommen. Wir fahren deshalb ca. 40 Minuten vom Studheim (auch ein Sowjet-Bau) in die Innenstadt, zum Einkaufszentrum sind es 20. Das System funktioniert super, die Busse kommen pünktlich und im 12-Minuten-Takt. Lange wartet man hier nicht, allerdings kanns in so einem Bus ziemlich eng werden. Unter der Woche sind sie meist von Studenten, Schülern und Senioren überfüllt. Soviel zu meinen ersten Eindrücken von Vilnius. Gestern hatten wir unseren ersten Tag an der Uni und die erste Erasmus-Students-Party. Dazu gibts viel zu erzählen, aber für heute ist genug. Morgen wieder. February 04 Hallo aus Vilnius! (Kerstin)Hallo ihr daheimgebliebenen! Mal ein kurzer erster Bericht aus der litauischen Metropole. Für alle die sich wundern, warum mein Name in der Klammer nach der Überschrift steht: Flo und ich werden abwechselnd bloggen und damit jeder weiss, wer da grad Zeugs von sich gibt, werden wir das so kennzeichnen 01.02.2007 Nachdem Flo und ich uns am Flughafen in Wien getroffen haben, gings auch schon los - Richtung Vilnius. Jaja, aber keine Reise vom Flo ohne Missgeschick: Am Flug von Altenrhein nach Wien packte ihn der Wissensdurst und so las er ein wenig in seinem Reiseführer in den er auch seine Tickets geklemmt hatte. Weil lesen aber so anstrengend ist, vor allem früh am morgen, landete der Reiseführer dann auf dem unbesetzten Nebensitz - mit dem innerlichen Aufforderung, ihn jaaa nicht liegen zu lassen. Tja, ihr wisst ja eh schon was jetzt kommen wird - RICHTIG - im Bus am Flughafen is es dem Flo dann aufgefallen. Ticket und Reiseführer liegen jetzt wohl noch immer am Nebensitz. Aber gottseidank haben wir ein e-tix, und den Ausdruck davon hatte der Flo gottseidank nicht im Reiseführer. Also konnte am Serviceschalter am Wiener Flughafen eine Ersatz-Boardkarte gedruckt werden. Ende gut - Alles gut. Nach 2 Stunden Flug sind wir dann also in Vilnius gelandet. Erster Eindruck: Die haben ja richtigen Schnee...und ganz schön viel davon. Der Flughafen ist recht klein, aber es wird zur Zeit vergrößert, damit die ganzen Touristen, die in Zukunft sicher vorbeischaun werden, auch genug Platz haben. Am Ausgang hat auch schon Rita - unser litauischer Tutor - gewartet. Rita spricht fast perfekt deutsch und ist echt supernett und kümmert sich total um uns. Wir sind dann mit dem Bus ca. 50 Minuten zu unserem Studentenheim gefahren. Rita hat uns auf der Fahrt schon einiges gezeigt und erklärt. Was mir (und ich glaub auch dem Flo) voll getaugt hat: Hier gibt es sehr viel Wald!!! Auch zwischen den Wohnblöcken! Unsere Uni und die Häuser vom Studentenheim sieht man von der Straße gar nicht, weil da liegt noch ein kleiner Wald dazwischen. Richtig cool und voll schön, weil er tief verschneit ist. Im Studentenheim gabs dann auch die erste negative Überraschung: Obwohl wir das schon vor Monaten im Email angegeben hatten, wurden wir nicht gemeinsam in ein Zimmer gesteckt!!! Aber Rita hat sich sofort darum gekümmert und das geregelt. Jetzt wohnen wir doch zusammen in einem echt "speziellen" Zimmer (schaut euch die Fotos an!!!!). Nachdem ich aber mit sowas schon gerechnet hatte, war ich nicht weiter enttäuscht und nach ein paar Tagen und einigen Umstellungsarbeiten an den Möbeln könnte man fast schon sagen, wir fühlen uns ganz wohl hier. Im Zimmer wohnen nur wir zwei und unser Bad, WC und unsere Küche teilen wir noch mit einem anderen 2-er Zimmer. Das passt ganz gut. Ein "Nachbar" ist schon da. Er heißt Artur und kommt aus Polen und is ein echt netter Typ. Am Abend sind wir dann mit Rita ins Einkaufszentrum "Akropolis" gefahren (natürlich mit dem Bus). Das mit dem Einkaufen is hier volle genial: Die Lebensmittelgeschäfte haben bis 22 oder 24 Uhr offen und alle anderen Läden schließen auch erst so um 22 Uhr!! Wir haben dann auch mal was gegessen...die erste litauische Mahlzeit. Ich hab Blyneliai gegessen (gefüllte Palatschinken) und wir haben auch cepelinai (gefüllte Kartoffel"knödel") probiert. Also das Essen ist echt supergut. Um 11 sind wir dann todmüde ins Bett gefallen. 02.02.2007 Um 9 sind wir mit Rita zu unserer Uni gegangen und haben uns dort mal umgesehen. Wir mussten auch noch einmal ein Anmeldeformular ausfüllen. Da hat man dann gemerkt, dass die Litauer noch net so international sind, wie sies gern hätten, weil dieses Formular gibts für Austauschstudenten nicht auf Englisch sondern auch wir müssen das auf litauisch ausfüllen!!! Unser Learning Agreement müssen wir auch nochmal überarbeiten, weil gewisse Kurse gibts gar nicht oder zumindest nicht auf Englisch oder sie überschneiden sich. Naja, da gehts uns wohl allen gleich. Wir sind danach zu unserem Administrator vom Stud-Heim gegangen weil wir endlich das Internet in unserem Zimmer nutzen wollten. Der hat uns dann mit der Rechnung für die Monatsmiete und der Kaution wieder zur Uni geschickt, weil dort gibts eine eigene Kassa, wo wir jedes Monat einzeln bezahlen müssen. Jaja, es lebe die Bürokratie. Mit der Zahlungsbestätigung mussten wir wieder zum Administrator und der hat uns versprochen, das Internet würde bis spätestens am Abend freigeschalten werden. Am Nachmittag haben wir uns dann die Altstadt von Vilnius angesehen und wir müssen sagen: WOW! Wir sind total begeistert und die Stadt ist echt sehenswert. Es werden sehr viele neue Gebäude gebaut die -natürlich- von der EU finanziert werden, weil Litauen kann sich das alleine gar nicht leisten. Schaut euch einfach die Fotos an, dann könnt ihr sehen warum es uns so gefällt. Am Abend sind Flo und ich nochmal ins "Akropolis" gefahren um ein bissl zu shoppen...was man halt so braucht zum Leben: Plastikteller, Besteck, Müllkübel, Handtücher etc. Klingt alles viel, aber aufgrund der niedrigen Preise ist es halb so wild. Und wer hätte das gedacht: Das Internet hat an diesem Abend wirklich noch funktioniert!!! Juhuu...unsere Verbindung nach Hause ist aktiviert!!! 03.02.2007 Wir waren am Abend im Kino. Jaaa - richtig gelesen. In Litauen werden die meisten Filme nämlich in Original-Sprache gezeigt mit litauischen Untertiteln. Wir haben uns "The Pursuit of Happyness" mit Will Smith angeschaut. Anschließend waren wir beim Mäci und danach wiedermal ein bissl einkaufen - diesmal was ess- und auch trinkbares (in Litauen gibts nämlich 13 verschiedene Brauerein - das muss der Flo natürlich ausnutzen) 04.02.2007 Heut is Sonntag. Zum ersten Mal hat sich die Sonne mal gezeigt, aber nur kurz. Bis jetzt haben wir noch net viel gemacht. Aber später gehn wir wahrscheinlich mit dem Artur was trinken oder so...mal schaun. Die Uni geht für uns erst am Dienstag los. Morgen müssen wir nochmal zur Uni wegen unserem litauischen Studentenausweis und unserem Stundenplan. Tja, soviel mal von mir (uns). Wie ihr seht/hört, es geht uns bestens und wir fühlen uns hier wohl, auch wenn es die Wohnqualität gar nicht vermuten lässt. Wenn wieder mal Zeit ist, gibts wieder News aus Vilnius. viso gero ir iki! |
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